explain-it - Bundestagswahl

Anlässlich der Bundestagswahl erklären wir in diesem explain-it custom, wie das Prinzip von Erst- und Zweitstimme funktioniert.

  • Politik
  • Gesellschaft
  • Allgemeinwissen
  • Staat
Wählen ist wichtig, da sind sich die meisten einig. Seitdem Lisa 18 Jahre alt ist, setzt auch sie immer ihre zwei Kreuze. Aber so ganz sicher ist sie sich nicht, wie das mit Erst- und Zweitstimme genau funktioniert. Dabei ist es ganz einfach: Mit der Erststimme bestimmt Lisa, welche Person aus ihrem Wahlkreis sie im Bundestag vertreten soll. Mit der Zweitstimme wählt sie eine Partei. Die Zweitstimmen legen fest, wie viele Sitze und damit Einfluss eine Partei im Bundestag bekommt. Jetzt nur noch den Wahlzettel einwerfen – und fertig. Und wer kommt jetzt in den Bundestag? Auf jeden Fall der Kandidat, der in Lisas Wahlkreis die meisten Erststimmen bekommen hat. Als einer der 299 Erststimmen-Gewinner zieht er mit einem Direktmandat ins Parlament. Die erste Hälfte des Bundestags ist damit festgelegt. Die Zweitstimme entscheidet, wie die andere Hälfte der Sitze vergeben wird. Ein Beispiel: Bekommt eine Partei 30 Prozent der Zweitstimmen, dann erhält sie auch 30 Prozent der Sitze im Bundestag. Hat diese Partei bereits 10 Prozent der Sitze über Direktmandate – also über die Erststimmen – erhalten, werden demnach die übrigen 20 Prozent zusätzlich aufgefüllt. Es kann aber passieren, dass eine Partei schon mehr Sitze durch Direktmandate hat, als ihr durch die Zweitstimmen zustehen. Diese zusätzlichen Sitze heissen Überhangmandate. Weil das unfair für die anderen Parteien ist, bekommen sie Ausgleichsmandate. Das heisst: Wenn eine Partei 10 Prozent mehr Sitze über Direktmandate hat, als ihr über die Zweitstimmen zustehen, erhalten alle anderen Parteien ebenfalls zusätzliche 10 Prozent von ihrem Zweitstimmenergebnis. Aber: Hat eine Partei weniger als fünf Prozent oder weniger als drei Direktmandate erhalten, darf sie nicht mit ihrem Zweitstimmenanteil in den Bundestag einziehen. Die Wahl ist abgeschlossen und Lisa verfolgt nun gespannt die Koalitionsverhandlungen und schliesslich, wen die Abgeordneten zur Bundeskanzlerin beziehungsweise zum Bundeskanzler wählen.